Pressemitteilung
From Mediaspace
PRESSEMITTEILUNG
mediaspace_09 / November 2008
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Begleitend zum 22. Filmwinter findet vom 22.-25. Januar der mittlerweile neunte Media-Space statt. Die Veranstaltungsplattform Media-Space behandelt das Verhältnis von Medien im Raum und Raum in Medien in neuen Perspektiven und Facetten. Dabei erforscht Media-Space das Entstehen, respektive die Veränderung künstlerischer und gesellschaftlicher Positionen unter dem Einfluss von Informations- und Kommunikationstechnologien.
Für den Media-Space 09 wurde von Wand 5 e.V. erstmalig ein Wettbewerb für ein Realisationsteam ausgeschrieben. Dabei gab es keinerlei formalen Beschränkungen hinsichtlich der Umsetzung. Der Zweck der Ausschreibung diente der Erschaffung eines neuen experimentellen Raumes - eines open-space, in welchem Künstler agieren können.
Ende Oktober 2008 startete der Media-Space 09 eine online-Kuratorendiskussion mit Hilfe eines Weblog http://blog.media-space.org/ , um einen neuen experimentellen Raum herzustellen und das Programm für die Ausstellung im Januar zu entwickeln.
„Die gegenwärtige globale Wirtschaftskrise hat überall Auswirkungen, sogar die Sprache wurde plötzlich auf eine neue Art ambivalent. Finanzausdrücke, die vor Wochen niemandem von uns wirklich bekannt waren, sind inzwischen ein bedeutender Teil unseres täglichen Informationsflusses. Langsam dringt in unser Bewusstsein, dass die Schwankungen oder Abstürze der Börsenmärkte unsere sehr persönlichen Erfahrungen beeinflussen.
Wie reagieren Künstler auf diese selbst gemachte globale Krise? Welche Strategien entwickeln sie, um sich mit dem Thema zu beschäftigen? Welche künstlerischen Praxen verwenden sie, um sich mit der Komplexität der Thematik auseinanderzusetzen? Diese Fragen definierten den Ausgangspunkt für die Diskussion des eingeladenen Kuratorenteams.
Das Thema ‘Finanzkrise’ sowie die Arbeiten, die sich damit beschäftigen, verbinden nicht nur ‘lokal’ mit ‘global’, sondern setzen eventuell bereits zu einer sprunghaften Verschiebung von ‘lobal` zu ‘glokal’ oder zu anderen hybriden Formen davon an. Bestimmte Handelsweisen und traditionelle Gedankenprozesse erlitten ihren eigenen verhängnisvollen Kollaps, dessen Gründe in der schallmauerdurchbrechenden Fluggeschwindigkeit der Wirtschaft der letzten zwanzig Jahre zu suchen sind.
Die gegenwärtige Finanzkrise markiert zweifellos einen Bruch, wenn nicht das Ende der aktuellen Form des Neoliberalismus. Welches sind die Auswirkungen? Können wir neue Ansätze finden, um über diese Prozesse nach zu denken und zu reflektieren, da wir nun plötzlich feststellen müssen, dass sie entscheidende Funktionen der Systeme bilden auf die wir uns grundsätzlich verlassen?
Wird es eventuell ein größeres Forum für nicht kommerzielle oder nicht ausschließlich kommerzielle Kunstformen geben? Der kürzlich geäußerte Bezug in Richtung auf den Begriff ‘Betriebsystem Kunst’ der 90ger Jahre wurde durch die große Sell-out Auktion des Künstlers Damien Hirst -wenige Tage vor dem Crash - für einige isolierte Superreiche jedoch widerlegt. Aber gibt es dennoch einen Vergleich zu den großen Sell-outs und/oder Bankgeschäften und anderer riskanter Spekulanten, die gerade mit mehr oder weniger virtuellen ‘Anlagegütern’ an der Börse jonglieren?
Und als schließlich der Bankrott unvermeidlich war und die Welt in die Finanzkrise schlitterte – hatte dies einen nicht zu verleugnenden Gesamteffekt. Es betrifft nun definitiv nicht nur einige große Börsenspieler, die entsetzt reagieren, dass Unmut über die von ihnen bezogenen ‘Millionen Prämien’ laut wird. Darf man daher erwarten, dass dies am Ende eine substanziellere Diskussion zulassen wird? Verschiebt es in der Tat das Augenmerk in Richtung auf die immateriellen Aspekte, die den gehandelten Anlagegütern und den Vermögenswerten zu Grunde liegen?
Derzeit beträgt unsere Gesamtschuldenblase dreimal mehr als alle Gesamtwerte weltweit. Da die Märkte an Wert verlieren, verringert sich auch die Blase und nähert sich dem realen Wert der Welt an. Das wirft die Frage auf, warum diese Blase bis jetzt unsichtbar war? Tatsächlich wussten doch einige Menschen Bescheid, einige schrieben auch darüber. Aber es sind umfassende Gegebenheiten, die uns zu schaffen machen. Dies war und ist noch immer eine ‘globale Lobotomie’. Und die Idee der ‘demokratischen Kontrolle’ ist eine nette (sich selbstentlarvende) Konstruktion.
Wie reagieren Künstler also und welche Praxis wählen sie um ihre Methoden zu definieren? Es schien hier angebracht, zur Klassifikation der Arbeiten die Art und Weise der materiellen und ästhetischen Auswahl zu berücksichtigen, um die Aktualität der `Immaterialität’ zu transportieren.
Die prozessualen Strategien, die offensichtlich in die gegenwärtige Finanzkrise hineinwirken, scheinen jedenfalls eine Analogie in jenen Arbeiten zu finden, die unter Verwendung generativer Methoden entstehen. Ganz offenbar gibt es hier eine ähnliche Distanz zu den materiellen Quellen, die diesen Eindruck begünstigen. Es besteht ein gewisser Konsens unter den Kuratoren darüber, dass es eine neue Generation von generativen Arbeiten gibt, die danach fragen, wie man unser Bewusstsein für solche Komplexitäten schärfen kann. Jedoch, welche gegenwärtigen Beispiele gibt es? In welchem Verhältnis stehen diese zu historisch-künstlerischen Referenzen? Wie definieren sie ihre entsprechende Position hinsichtlich der gegenwärtigen Produktionsbedingungen und sozialer Verhältnisse?
Das Augenmerk des Teams ist es solche Arbeiten auszuwählen, die sich vor allem damit beschäftigen, die Aufmerksamkeit für generell zunehmende Komplexitäten zu schärfen. Eine grundsätzliche Schönheit wohnt fast allen ‘Übersetzungen’ generativer Prozesse inne, ebenso wie ihre Fähigkeit unfassbare Mengen abstrakter Daten sichtbar zu machen. Die ausgewählten Arbeiten könnten in der Lage sein, diese Aspekte zu kombinieren und gleichzeitig eine Methode der Umwandlung ihres komplizierten Inhalts in ein `reales’ Media-Space Ereignis zu finden.“
